#MeinWunschZumEhrentag

Was Ehrenamt in Deutschland braucht, um stark zu bleiben

Ehrenamt trägt Deutschland. Es hält Vereine zusammen, organisiert Hilfe, schafft Begegnung, fördert Bildung, stärkt den sozialen Zusammenhalt und macht Demokratie im Alltag erlebbar. Millionen Menschen engagieren sich freiwillig – im Sport, in der Feuerwehr, in sozialen Initiativen, in Kultur, Bildung, Nachbarschaftshilfe, Umweltprojekten und vielen weiteren Bereichen. Und doch gerät dieses Engagement zunehmend unter Druck.

Genau hier setzt #MeinWunschZumEhrentag an. Mit der Kampagne wollen wir sichtbar machen, was Ehrenamtliche, Vereine, Initiativen und Organisationen in Deutschland wirklich brauchen, damit Engagement leichter, zugänglicher und wirksamer wird. Nicht als Klage. Nicht als Schuldzuweisung. Sondern als konstruktiver Blick nach vorn: Was würde helfen? Was müsste sich ändern? Und wer kann dazu beitragen?

Mitmachen können alle, die sich engagieren – unabhängig vom Bereich, von der Größe der Organisation oder davon, ob sie als Privatperson oder Institution posten.

So könnt ihr mitmachen:

Teilt eure Wünsche! Einzeln, gemeinsam, als Organisationen.

Wir laden euch ein, auf Instagram oder LinkedIn (wer mag auch TikTok) über Posts oder Reels sichtbar zu machen:

  1. Was wünscht ihr euch für eurer Ehrenamt oder für veränderte Rahmenbedingungen?
  2. Wer könnte den Wunsch erfüllen oder zur Umsetzung beitragen?
  3. Wofür engagiert ihr euch?
  4. Wen wollt ihr einladen, sich ebenfalls an der Kampagne zu beteiligen?

Wichtig ist dabei: Es geht nicht um perfekte Formulierungen oder lange Texte. Sondern um ehrliche, konstruktive und konkrete Wünsche aus der Praxis.

Inspiration gesucht?
Suche auf Instagram den Kampagnenhashtag und knüpfe an die bereits geäußerten Wünsche an.

Nehmt euch in einem kurzen Video auf oder nutzt die Vorlagen und macht einen Post, in dem ihr die Fragen kurz beantwortet. Fasst die Antworten dann in der Caption kurz zusammen und postet dies mit dem Hashtag #MeinWunschZumEhrentag.
Informationen zum CD sowie Vorlagen für Posts und Reels findet ihr unter „Design“.

Mach den Check!
Werden deine Wünsche bereits mitgedacht? Gucke in der Engagemtstrategie vorbei.

Aufgepasst: Kampagnenregeln!
Um respektvolle und konstruktive Beiträge zu erstellen, haben wir Kampagnenregeln erstellt. Bitte guckt dort vorher einmal rein.

Mach mit!

Was die Kampagne beinhaltet:

Die Kampagne beinhaltet die Sichtbarmachung konkreter Wünsche für bessere Rahmenbedingungen im Ehrenamt. Dabei wird eine lösungsorientierte Perspektive eingenommen und es werden konstruktiv Wünsche für Veränderungen formuliert, welche die Frage beantworten: Was stärkt, bremst oder ermöglicht Engagement?

Das Ziel dabei ist, Ehrenamt und dessen Hürden sichtbar zu machen, Wünsche in die politische Debatte zu tragen und das gemeinsame Umsetzen von Lösungen fördern.

Format der Kampagne:

  • Drei-Teil-Struktur: Wunsch nennen → Verantwortliche adressieren → Weitere nominieren
  • Plattformen: Instagram, LinkedIn (optional TikTok)
  • Beiträge: Posts oder Reels mit kurzer Caption

Was die Kampagne ausschließt:

Wir nutzen #MeinWunschZumEhrentag, um Lösungen für Ehrenamt zu finden. Wir lehnen antidemokratische, diskriminierende oder extremistische Vereinnahmung ab. Beiträge, die gegen diese Werte verstoßen, werden nicht geteilt.

Abgelehnt werden dabei Beiträge mit Diskriminierenden Äußerungen (Rassismus, Sexismus, Homofeindlichkeit, Trans*feindlichkeit, Ableismus, Klassismus, Antisemitismus, antimuslimischer Rassismus, Gadjé-Rassismus, Antislawismus), antidemokratische, gesichert rechtsextreme, faschistische, nationalistische oder völkische Ideologien sowie Verschwörungsideologien, menschenfeindliche Positionen und Hassrede/Hetze.

Bei Verstößen:

Bei Verstößen werden Beiträge nicht geteilt oder auf den jeweiligen Plattformen gemeldet. Wir bitten alle Teilnehmenden darum, aufmerksam zu bleiben und auf Verstöße hinzuweisen oder diese ebenso zu melden.

Kampagnenlogo inkl. Hashtag zum Download

Unser gemeinsamer Blick nach vorn:

Ehrenamt ist kein Randthema. Es ist gelebter Zusammenhalt. Es ist demokratische Praxis. Es ist soziale Infrastruktur. Und es ist für Millionen Menschen ein täglicher Beitrag dazu, dass Gesellschaft funktioniert.

Gerade deshalb verdient Ehrenamt mehr als Dankbarkeit. Es verdient Rahmenbedingungen, die diesem Einsatz gerecht werden.

Mit #MeinWunschZumEhrentag wollen wir diese Perspektiven gemeinsam sichtbar machen.

Sharepic mit Text: Es geht um Lösungen! Was würde dein Engagement leichter machen? Was wünschst du dir? Und wer kann das möglich machen?
#MeinWunschZumEhrentag
Sharepic mit Text: Ehrenamt hält zusammen. Was ist dein Wunsch? 
#MeinWunschZumEhrentag

Was mit euren Beiträgen passiert:

Die Beiträge unter #MeinWunschZumEhrentag werden gesammelt, ausgewertet und gebündelt. Ziel ist es, Muster, Forderungen und wiederkehrende Herausforderungen sichtbar zu machen und diese im Anschluss in die Öffentlichkeit und in politische Debatten zu tragen.

Die Kampagne soll nicht nur Aufmerksamkeit erzeugen. Sie soll zeigen, was Ehrenamt in Deutschland heute stärkt, bremst und ermöglicht.

Warum die Kampagne wichtig ist:

Ehrenamt ist in Deutschland weit verbreitet – aber nicht selbstverständlich. Aktuell engagieren sich ca. 37% Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahren1, das entspricht rund 27 Millionen Menschen. Gleichzeitig ist die Engagementquote leicht rückläufig.1,3

Das bedeutet: Das Ehrenamt ist eine tragende Säule unserer Gesellschaft. Aber schon ein kleiner Rückgang gefährdet unzählige Angebote und damit auch Menschen, Begegnungsorte und Unterstützungsstrukturen vor Ort.

Wer Ehrenamt stärken will, darf deshalb nicht nur danken, sondern sollte auch die strukturellen Rahmenbedingungen dafür verbessern.

Was Ehrenamtliche heute ausbremst

Die Studienlage zeigt: Das Problem ist in Deutschland oft nicht fehlende Bereitschaft, sondern fehlende Passung. Viele Menschen wollen sich engagieren. Viele tun es bereits mit großer Überzeugung. Doch der Alltag macht es ihnen oft unnötig schwer.

Viele Ehrenamtliche hören auf, weil Zeit fehlt. 62 Prozent der Ehrenamtlichen, die ihr Engagement reduzieren, beenden oder bereits beendet haben, geben zeitliche Gründe als Motiv an.1

Das ist ein zentraler Befund: Die größte Sollbruchstelle des Ehrenamts ist nicht mangelnde Haltung, sondern mangelnde Vereinbarkeit mit dem (Berufs-)Alltag.

Gerade in Vereinen und Organisationen geht viel ehrenamtliche Energie nicht in Menschen, Projekte oder Gemeinschaft, sondern in Verwaltung, Nachweise und Organisation. 73 Prozent der Organisationen bewerten Verwaltungstätigkeiten für ihr zentrales Leitungsgremium als besonders zeitintensiv.2

Das heißt ganz praktisch: Wer Verantwortung übernimmt, hat gleichzeitig oft auch einen erheblichen Verwaltungsaufwand. Zeit, die vor Ort fehlt.

Hingegen ist die Gewinnung von Engagierten für dauerhafte Aufgaben und für ehrenamtliche Leitungsfunktionen zunehmend ein Problem.2 53 Prozent der Organisationen stimmen der Aussage nicht zu, dass sie genug Engagierte für ehrenamtliche Leitungspositionen finden. Im Sportbereich sind es sogar 61 Prozent. Gleichzeitig haben nur 27 Prozent der Organisationen bezahlte Beschäftigte.

Viele Organisationen funktionieren also deshalb, weil Ehrenamtliche sehr viel Verantwortung schultern. Wenn genau dort der Nachwuchs fehlt, wird das zum strukturellen Problem.

Engagement ist nicht nur eine Frage von Zeit, sondern oft auch von Geld. Bereits 2019 gaben 44 Prozent der Engagierten an, dass ihnen durch ihr Ehrenamt eigene Kosten entstehen. Von diesen Personen sagten 59 Prozent, dass keine Kostenerstattung möglich sei. Nur etwa 15 Prozent nahmen tatsächlich eine Erstattung in Anspruch.3

Fahrtkosten, Materialien, Mitgliedsbeiträge oder andere Auslagen können damit schnell zu einer echten Hürde werden. Ehrenamt darf aber nicht davon abhängen, wer es sich privat leisten kann.

Trotz aller Hürden ist die Motivation vieler Ehrenamtlicher bemerkenswert klar. Menschen engagieren sich nicht in erster Linie für Geld, Prestige oder Karriere. Sie engagieren sich, weil sie Sinn erleben, Verantwortung übernehmen und etwas beitragen wollen.

ca. 80 Prozent wollen die Gesellschaft zumindest im Kleinen mitgestalten

ca. 94 Prozent sagen, dass ihnen ihr Engagement Spaß macht

ca. 89 Prozent wollen anderen Menschen helfen

ca. 88 Prozent möchten etwas für das Gemeinwohl tun

Nur knapp 26 Prozent nennen Ansehen und Einfluss als Motiv und etwa 6 Prozent einen Zuverdienst.3
Ehrenamt lebt also vor allem von Zusammenhalt, Selbstwirksamkeit und dem Wunsch, Dinge zum Besseren zu verändern. Genau deshalb braucht es gute Rahmenbedingungen: Wer sich aus Überzeugung engagiert, sollte nicht an unnötigen Hürden scheitern.

Ein weiterer wichtiger Befund: Ehrenamt ist in Deutschland sozial ungleich verteilt. Nicht, weil bestimmten Gruppen Engagement weniger wichtig wäre, sondern weil die Zugänge unterschiedlich leicht oder schwer sind.

Die Engagementquote liegt bei Personen mit niedriger Schulbildung bei 24,6 Prozent, bei hoher Schulbildung bei 45,5 Prozent. Menschen mit Migrationshintergrund engagieren sich zu 28,4 Prozent, Menschen ohne Migrationshintergrund zu 40,1 Prozent. In der zweiten Lebenshälfte engagieren sich armutsgefährdete Menschen nur zu 8,7 Prozent.1

Gleichzeitig können sich 41 Prozent der Nicht-Engagierten grundsätzlich vorstellen, sich in den nächsten zwölf Monaten zu engagieren. Unter den nie Engagierten nennen jedoch 71,3 Prozent zeitliche Einschränkungen, 41,4 Prozent berufliche Gründe, 37,9 Prozent den Wunsch, keine Verpflichtung einzugehen, und 23,1 Prozent wissen nicht, wohin sie sich überhaupt wenden könnten.1

Das ist ein entscheidender Punkt: Das Problem ist oft nicht mangelnder Wille, sondern fehlende Zugänglichkeit. Wer Ehrenamt stärken will, muss es sichtbarer, flexibler und alltagstauglicher machen.

  1. Fritzsche, Leven, Rysina, Schneekloth, Wolfert: Freiwilliges Engagement in Deutschland. Zentrale Ergebnisse des Sechsten Deutschen Freiwilligensurveys (FWS 2024). Verian im Auftrag des BMBFSFJ, 2025.
  2. Schubert, Kuhn, Tahmaz: ZiviZ-Survey 2023. Zivilgesellschaftliche Organisationen im Wandel – Gestaltungspotenziale erkennen, Resilienz und Vielfalt stärken. ZiviZ im Stifterverband, 2023.
  3. Simonson, Kelle, Kausmann, Tesch-Römer (Hrsg.): Freiwilliges Engagement in Deutschland – Der Deutsche Freiwilligensurvey 2019. DZA, 2021.

Du fragst dich, was von der Bundesregierung bereits geplant ist, um das Ehrenamt zu stärken? 2024 wurde mit der Engagementstrategie des Bundes ein Fahrplan vorgelegt, der an den Punkten ansetzt, die Ehrenamtliche als Herausforderung sehen. Wir können diesen unterstützen und weiter mit Leben füllen!

Hier ist der schnelle Überblick über die 5 Säulen, die deine Zukunft im Ehrenamt prägen sollen:

1. Krisenfest & Transformationsstark: Ehrenamtliche sind das Rückgrat in Krisen. Die Strategie will diese Resilienz stärken: durch besseren Schutz vor Anfeindungen (online & offline), flexible Unterstützung in akuten Notlagen und die Nutzung der Innovationskraft der Zivilgesellschaft für gesellschaftlichen Wandel.

2. Teilhabe für ALLE: Niemand soll ausgeschlossen sein. Das Ziel: Barrieren abbauen für Menschen mit Behinderung, mit Migrationsgeschichte oder aus benachteiligten Milieus. Vielfalt wird nicht nur gefordert, sondern aktiv durch gezielte Förderprogramme und niedrigschwellige Zugänge ermöglicht.

3. Struktur-Hürden beseitigen: Bürokratie frisst Zeit und Nerven. Die Strategie plant:

  • Rechtssicherheit: Haftungsrisiken senken, Gemeinnützigkeitsrecht modernisieren.
  • Anerkennung: Mehr Wertschätzung durch Preise, aber auch materielle Anreize und Kompetenznachweise für den Lebenslauf.
  • Gewinnung & Bindung: Unterstützung für Vorstände und neue Modelle, um Engagierte langfristig zu halten.

4. . Digitalisierung aktiv gestalten: Kein Ersatz, sondern Ergänzung! Die Strategie fördert digitale Teilhabe, schult in digitalen Kompetenzen (KI, Daten) und unterstützt Vereine dabei, ihre Verwaltung zu digitalisieren. Gleichzeitig wird digitales Engagement als eigene Form anerkannt.

5. Über Grenzen hinweg: Engagement kennt keine Landesgrenzen. Die Strategie stärkt den europäischen und internationalen Austausch, fördert Freiwilligendienste im Ausland und macht die Bedeutung des Ehrenamts für globale Ziele (SDGs) sichtbar.

Die aktuelle Bundesregierung hat sich darüber hinaus im Koalitionsvertrag zu einem „Zukunftspakt Ehrenamt verpflichtet. „In diesem werden wir die Ehrenamts- und Übungsleiterpauschale erhöhen [Anmerkung: ist bereits 2025 getan worden]. Wir erhöhen ebenso die Freigrenze für den ehrenamtlichen sowie wirtschaftlichen Geschäfts- und Zweckbetrieb, vereinfachen das Datenschutz-, Gemeinnützigkeits-, Vereins- und Zuwendungsrecht und verbessern das Haftungsprivileg.“ Außerdem sollen Ehrenamtliche gerade in kommunaler Verwaltung und der „Blaulicht-Familie“ mehr geschützt werden und Ehrenamt sowie Freiwilligendienste für junge Menschen attraktiver gemacht werden. (Koalitionsvertrag 2025 S. 118f.)

So kannst du die bestehenden Bemühungen aufgreifen und unterstützen:

  1. Suche in der Strategie oder im Koalitionsvertrag nach Schlagwörtern zu deinem Wunsch.
  2. Poste deinen #MeinWunschZumEhrentag.
  3. Verweise in der Caption auf die Stelle in einem der Dokumente, die du hervorheben möchtest oder der du eine Ausgestaltungsidee hinzufügen willst. (z.B. „Kapitel 6.3.4 spricht Bürokratie an, aber ich wünsche mir noch mehr…“).

Lass uns gemeinsam zeigen, wo die Bemühungen für Ehrenamt ankommen und wo sie noch Luft nach oben haben. Ehrenamt braucht mehr als Dank – es braucht Taten. Dies wurde erkannt und wir können die Umsetzung und Ausgestaltung unterstützen!

Unsere Ansprechperson für die Kampagne ist Phillip. Wendet euch bei Fragen gerne per Mail an phillip@klimabildung.org.

Portrait Phillip
© Mathis Saathoff | Klimabildung e.V.